Es ist vollbracht!
Erfolgreich sind wir in Kanada eingewandert und stellen zu unserer Verwunderung fest, dass hier weniger Schnee liegt als in Deutschland. Verrückte, ozongeschädigte Welt!
Wer denkt, dass der Abschied schwer war, der liegt falsch. Er war nämlich VERFLIXT schwer ... Harte Jungs zeigten sich von ihrer weichen Seite, Tränchen kullerten, Jägermeister wurden gegen den Kummer geschluckt und für einen kurze Moment kam man ins Grübeln, ob das ganze Kanada-Projekt wirklich der richtige Entschluß ist.
Aber ich kann Euch beruhigen, uns Mehlsäcken geht es gut und wir bereuen NICHTS!
Die 8 Std. Flug von Düsseldorf nach Toronto erwiesen sich als höchst unentspannt. Unser Sprößling war nämlich der Ansicht, dass man nicht schlafen darf und stattdessen alle Knöpfe in Reichweite drücken muß. ( somit blinkte unser Sitzplatz in Dauerschleife bei den Stewardessen).
Absolutes Highlight: eine Leselampe in Collins Businessclass-Schlafkoje.
Wer unseren kleinen Mann kennt, der weiß, dass Collin Lampen-süchtig ist und auf dem Flug geschätzte 10.000mal das Licht ein- und ausknipste.
Wer Willi kennt, der weiss, dass er beim Abheben des Flugzeugs ins Schlafkoma fällt und erst bei der Landung wieder am Leben teilnimmt. Dank Sohnemann war es diesmal nur ein Nickerchen.
Wer mich kennt, der weiss, dass ich penibel meine Speisen, Snacks an Bord des Flugzeugs immer 100%ig aufesse und den obligatorischen Tomatensaft mehrfach anfordere. Dank Collins Aktivitäten blieben diesmal Reste auf den Tellern übrig und ein stilles Mineralwasser ersetzte meinen Tomatensaft.
Aber wir dürfen uns nicht beschweren, denn immerhin schlief Collin dann doch noch 1-2 Std. und ich konnte für einen kurzen Moment den Tag revue passieren lassen. Mit dem Satz: "Wir landen in Toronto, die Notausgänge sind vorne und hinten im Fluzeug" wurde ich dann in die Gegenwart zurück geworfen.
Auch meine vorlaute Beschwerde, dass in Toronto kein Schnee liegt, fand bei Petrus sofort ein offenes Ohr und er schickte uns auf dem Weg nach Sarnia direkt ein nettes Schneestürmchen. Da hier aber Schneeräumdienste und Salz keine Mangelware sind, wurde unsere Weiterfahrt nicht gestört.
Nach 2,5 Std. Autofahrt konnte man es uns nicht nehmen, um 2 Uhr morgens (!) einen Blick in unser Haus zu werfen und in einem dauergeöffneten Supermarkt einkaufen zu gehen. Beim Blick auf die Uhr und bei der Stimme des überdreht freundlichen Supermarkt-Kassierers wurde uns bewußt: HEY FOLKS, we´re in CANADA!!!!
Heute hat mein immernoch rauchender Ehemann seine preisgünstigen Zigaretten bei den Indianern gekauft und mein Vorschlag mir eine Flasche Feuerwasser mitzubringen, fand keinen wirklichen Anklang.
Meine Raucherentwöhnungs-Hoffnungen liegen jetzt alleinig beim Wetter. Wenn die Temperatur nämlich in den nächsten Tagen anzieht, macht das Freiluft Rauchen auch keinen Spaß mehr!
Collin, der alte Reisefuchs, scheint keinerlei Probleme mit der Zeitverschiebung oder der neuen Umgebung zu haben. Er ist wie immer ein Sonnenschein, seine Verdauung und sein Appetit sind vorbildlich und er überrascht uns mit einer unglaublichen Gelassenheit.
Unsere Pläne für die kommenden Tage sehen wie folgt aus: Haus fertig streichen, Elektrogeräte kaufen und am 11.1./12.1. den Container in Empfang nehmen. Na, das kann ja heiter werden...
Ansonsten habe ich noch keine Blockhütten, Elche, Waschbären oder langbärtigen Männer in Holzfällerhemden gesehen...lediglich ein sockenverachtender Mann in Birkenstocklatschen/Shorts und eine Frau im Bademantel sind uns bei -5 Grad Celsius begegnet.
Fortsetzung folgt...
Take care
Euer Wilmchen






