Hier folgt die Realität: kopfschüttelnd beobachte ich Collin bei der Landung in Toronto!
Alle Befürchtungen haben sich bewahrheitet und wurden sogar übertroffen: unser Knirps hat volle 8 Stunden nicht nur mich, sondern auch die restlichen Menschen im Flugzeug ordentlich auf Trap gehalten. Fliegende Bauklötze, ausgelaufener Orangensaft in der Handtasche, Nörgeln, Quengeln und hundertfaches An-und Abschnallen haben mich einige Nerven gekostet. Wo ist nur das Kind, was beim Hinflug 6 von 7 Stunden geschlafen hat?!
Unser Vordermann hat mit Sicherheit Blutergüsse am Rücken, weil Herr Mehl jr. seine verborgenen Talente als "Fußtrommler" und "Sitzkicker" zur Schau gestellt hat. Auch das Plumpsen in den eigenen Sitz oder das Hüpfen auf der Armlehne kann den hinteren Passagieren nicht wirklich gut gefallen haben.
"Collin, guck mal wie lieb die restlichen 25 Kinder an Bord sind!"
Popelnd guckt mich Collin mit großen Unschuldsaugen an und schmiert mir kommentarlos seinen gelb-grünen Rotz auf das Oberteil.
Der Kapitän weist darauf hin, dass man zur Linken jetzt einen wundervollen Ausblick auf die Eisberge von Grönland hat. Von den Passagieren erklingt ein staunendes Ooohhh und Aaahhh. Majestätisch erhebt sich Grönland aus dem Meer, glitzernde Eisschollen treiben im blauen Wasser. Gerade als ich meine Kamera aus der Tasche krame, höre ich ein leises: "Mama, Ka-Ka!"
Ich weise Collin darauf hin, dass ich nur ganz, ganz kurz das Eis von Grönland fotografieren möchte, aber damit lässt sich Collin nicht abspeisen. Ein LAUTES: Mamaaaaa, Kaaaaa- Kaaaa! schallt es durch alle Sitzreihen, gefolgt von einem äußerst unangenehmen Duft. Naja, zumindest ist dank Grönland die Toilette nicht mehr dauerbesetzt.
Die Windel ist erneuert, Wolken versperren nun die gute Sicht und der tonnenschweren Windelinhalt hat mit Sicherheit das Absinken einer grönländischen Eisscholle verursacht oder die Plattentektonik enorm beschleunigt.
| Gerne hätte ich hier ein Bild von Grönland gezeigt... |
Lächelnd reicht die Flugbegleiterin mir die "Declaration Card" für Kanada. Konzentriert fülle ich die nötigen Felder aus und verstaue das Dokument sicher in meiner Handtasche. Eine unachtsame Minute später verziert mein nagelneuer Lippenstift das Einreisedokument und ich kann in letzter Sekunde verhindern, dass L´oreal "Korallrot" ebenfalls unsere Reisepässe farbig aufpeppt.
Mitfühlend schaut mich ein junger Vater an, dessen "Prinzessin" seit 4 Stunden auf seinem Schoß sitzt und wie ein Engel schläft. Eine genervte Frau macht mir klar, dass sie Kinder liebt, aber sie gerne jetzt schlafen möchte und auf dem GALA-Titelblatt strahlen mich Brad Pitt und Angelina Jolie an, die wie aus dem Ei gepellt aus einem Flugzeug steigen und als Handgepäck ihre 6 Kinder spielend leicht transportieren.
Seufzend beobachte ich Collin, der jetzt, 15 Sekunden vor der Landung, erschöpft die Augen schließt.
Eine Reise von Europa nach Amerika ist eben kein Kinderspiel und noch immer, wie zu Zeiten von Kolumbus, ein echtes Abenteuer!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen